
Unser erstes Ziel in Nicaragua hiess San Juan del Sur. Ein Städtchen an der Pazifikküste und ein Surferparadies wie wir sehr bald feststellten. Das erste Abendessen genossen wir an der malerischen Bucht mit Sunnenuntergang. Zurück im Hostel stetzten wir uns an die Bar der Dachterrasse und lernten einige Leute kennen, bevors dann mit der Barkeeperin und einigen anderen wieder mal in den Ausgang ging. Hier steppte der Bär und wir durften feststellen, dass in diesem Land durchaus aktzeptabler Rum hergestellt wird. :-)
Den nächsten Tag erholten wir uns dann von der langen Nacht vorwiegend im Hostel. Ein richtiger Backpackerplatz, voll mit Reisenden aus aller Welt. Im Innenhof wuchsen tropische Pflanzen und dazwischen luden Hängematten und Sofas zum Verweilen ein. Unsere Unterkunft arbeitete mit einem Schildkröten-Schutzprojekt in der Nähe zusammen und nachdem man uns mitteilte, dass sie in den nächsten Nächten die grosse Ankunft zum Eierlegen erwarteten, entschlossen wir uns einen Abendausflug dorthin zu buchen. Am vorhergehenden Abend hat die Tour einige Dutzend Tiere gesehen und so sind wir, nach einer kurzen Einführung, gespannt abgefahren.

Am Strand (ca 2km lang und einer von 7 Nistplätzen für diese Olive Ridley Turtles weltweit) angekommen hats uns die Sprache verschlagen. Zu Tausenden sind sie aus dem Wasser gekrochen, den Strand hoch, Löcher gebuddelt, Eier gelegt, zugeschaufelt, fest gedrückt und wieder zurück ins Wasser! Was für ein Erlebnis! Abgerundet von klaren Himmel mit besten Sicht auf Sterne und Milchstrasse! Es hiess wir sollten 3m Abstand halten, ein Ding der Unmöglichkeit! Die Turtles (immerhin 50-70cm lang) haben uns regelrecht überrannt! :-) Ständig mussten wir wieder einen freien Platz suchen, was gar nicht so einfach war... sie waren einfach überall! Im Nachhinein teilte man uns mit dass dies DIE Nacht der Nächte war und zwischen 45000 - 60000 Tiere an diesen Nistplatz kamen. So was lässt sich nicht planen, wir waren einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort!


Am folgenden Tag verweilten wir ein wenig in der Stadt und am Stand.
Von anderen Reisenden hatten wir gehört, dass die naheliegende Isla de Olmetepe (zwei Vulkanberge im grössten See Zentralamerikas) einen Besuch wert sei und so beschlossen wir uns am nächsten Tag dorthin zu begeben.

An der Bushaltestelle kamen wir ins Gespräch mit Melanie und Claudius, einem Pärchen aus Deutschland welche wie wir ebenfalls auf die Insel wollten. So teilten wir uns das Taxi an den Pier und bestiegen das Boot, welches nicht gerade einen sehr vertrauenswürdigen Eindruck machte. Eine Stunde tuckern später waren wir froh, die Insel heil erreicht zu haben. Zusammen setzten wir uns mal wieder in einen Chickenbus (ein alter amerikanischer Schulbus, der so genannt wird, weil eben auch mal Hühner mitfahren) fuhren ins Hotel welches wir uns ausgesucht hatten. Wiedermal wurden wir im Nirgendwo rausgelassen und eine Staubpiste führte uns dann ca. 1 km weit zum Hotel. Zu viert nahmen wir uns dann ein grosses Zimmer direkt am kleinen Strand.


Mit unseren neuen Freunden gings am nächsten Tag auf eine kleine Wanderung zum Mirador, von wo man die beste Aussicht auf Bucht und die Vulkane haben sollte. Naja, es hat uns nicht gerade die Sprache verschlagen, aber dafür fanden wir eine Canopy-Anlage vor. Zusammen mit dem deutschen Pärchen beschloss Roman sich dies zu gönnen, während sich Judith mit der Kamera auf die Lauer legte. So montierten wir Gstältli und kriegten eine kurze Einführung, bevor der Erste von uns ans Seil gehängt wurde. Und dann ging die rasante Fahrt los! Die Seilbahnen fürten von Baum zu Baum, durch und über den Dschungel und manchmal auch mitten durch einen Baum hindurch! Insgesamt 10 kurze oder längere Seilstrecken besass die Anlage und zwei Mal gabs noch einen "freien Fall" dazu, bei denen weiche Knie die Folge waren! (Insbesondere, weil ich das erste Mal nicht vorbereitet auf das Folgende war...) Bei der längsten und steilsten Strecke erreichten wir rasante 55 km/h und die Bremshandschuhe rauchten danach gehörig! Wir hatten einen Heidenspass! :-) Danach ging die Wanderung durch ein schönes Naturschutzgebiet wieder zurück ins Hotel.


Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns bereits wieder von der Insel und den Anderen, welche sich entschlossen noch eine Nacht zu bleiben. Anstatt dem verlotterten Boot entschieden wir uns aber diesmal für die moderne Fähre!


Wir hatten den Tipp zu einem Treehouse-Hostel erhalten und so machten wir uns auf den Weg dorthin. Nachdem uns der Motorrad-Taxifahrer im Wald ausgeladen hatte, mussten wir mit unseren schweren Rucksäcke erst eine kleine Anhöhe erklimmern, bevor wir schnaufend im Hauptbaumhaus bei der Reception ankamen.


Ein Baumhaus im eigentlichen Sinne war das Ganze nicht, aber immerhin einige Holzhäuser an einen Berghang gebaut, eine Hängebrückenkonstruktion und zwei Plattformen in den Bäumen. Und alles idyllisch mitten im Dschungel. Auch der Sonnenuntergang war spektakulär. Bloss
Luxus hatte die Unterkunft jedoch definitiv nicht zu bieten.. Judith hatte es nach dem ersten Besuch im Plumpsklo schon gehörig gestunken und das obwohl wir uns mittlerweile schon einiges gewöhnt waren. :-)
Jedenfalls fiel es uns nicht schwer diesen Platz am nächsten Morgen wieder zu verlassen und in Richtung Hauptstadt (Managua) weiterzuziehen. Diese liessen wir aber gekonnt links liegen (bei unserem gestopften Reiseprogramm mussten wir doch schon einiges weglassen) und fuhren gleich weiter nach Leon. Die zweitgrösste Stadt Nicaraguas ist bekannt für Vulkanadventures und so schrieben wir uns direkt nach dem einchecken für einen Zweitageshike ein.