
Eine kurze, zweistündige Busfahrt brachte uns von Cuernavaca in die Millionenmetropole Mexico DF (City). Kurz nach dem Mittag bezogen wir unser kleines Hostel in der Nähe vom Zentrum. Da wir davon ausgingen, dass vieles über die Weihnachtsfesttage geschlossen sein wird, eilten wir schon bald in Richtung Museo Archeologigo National. Der Spaziergang führte uns durch einen grossen, belebten Park und schon bald zu unserem Ziel.
Dieses Museum ist riesig und damit man alles anschauen kann, sollte man mindestens 2 Tage einplanen. Diese Zeit hatten wir jedoch nicht und so entschlossen wir uns nur die wichtigsten Räume/Hallen zu besichtigen. Alles ist gegliedert nach den einzelnen Kulturen des Landes. Die Mayas kannten wir mittlerweile schon recht gut, aber hier sind die grössten Schätze von den einzelnen Stätten ausgestellt. Die grosse Grabplatte aus Palenque oder die berühmte Figur des Chac Mool aus der inneren Pyramide des Kukulkan. Sensationell!
Von dort gings weiter zu Olmeken, Azteken (das imposante Sonnensteinrad!), Tolpeken und weiteren kleineren indigenen Völkern. Den Abschluss bildete die Hochkultur von Technotitlan und ein Modell von Teotichuacan, der ehemaligen Kulturhauptstadt, welche ursprünglich in einem See gebaut wurde, dort wo sich nun die Hauptstadt DF ausbreitet.
Abends gingen wir aus in der Zona Rosa, unser Quartier, erkunden und waren positiv überrascht. Einige Bettler sprachen uns zwar um Weihnachtsgeld an, eine hohe Polizeipräsenz sorgte aber dafür, dass wir uns durchaus sicher fühlten als wir uns gegen 11Uhr auf den Rückweg begaben.
Unser Zimmer im Guesthouse war ein Aufbau auf der Dachterrasse (blau) und am nächsten Tag machten wir es uns dort oben gemütlich und skypten (gratis Internettelefonie für die, die es noch nicht kennen) mit unseren Freunden und Familien zuhause, bevor die dann an die Weihnachtsfeiern durften.Judiths Eltern teilten uns mit, dass sie vor vielen Jahren hier in einem Swiss-Chalet gegessen hatten. Der Gedanke an ein heimisches Fondue liess uns das Wasser im Munde zusammenlaufen und nach kurzer Internetrecherche, fanden wir heraus, dass sich dieses Restaurant ganz in unserer Nähe befand.
So gingen wir am Nachmittag voller Vorfreude los, um uns einen Tisch für den Abend zu reservieren. Wir fanden das Chalet auch bald, es war jedoch geschlossen und machte von aussen einen ziemlich heruntergekommenen Anschein. Wie uns Einheimische aus den Läden drumrum dann mitteilten, hatte das Lokal leider vor einigen Monaten dichtgemacht. Zu früh gefreut!
Abends streiften wir wieder durchs Quartier auf der Suche nach einem adäquaten Ersatz, aber die meisten Restaurants waren geschlossen oder entsprachen nicht unseren Vorstellungen. Hungrig und ein wenig deprimiert nahm ich dann mal einen Hot Dog von einer Strassenverkäuferin, welche mich nur mit "mi amor" ansprach. Judith entschied sich für ein halbes Huhn und etwas Chips von einer Polleria, welche es in Mexico an jeder Strassenecke gibt. Mit etwas Bier und Wein ausgerüstet, setzten wir uns dann wieder auf unsere Terrasse und stiessen auf unseren ungewöhnlichen Heiligabend an. Bald darauf setzten sich noch zwei australische Töffreisende zu uns, welche als Weihnachtsmahl auch nur Hot Dogs vom Seveneleven ergattern konnten. Ein Amerikaner, der als Lehrer in Mexico arbeitet, vervollständigte unsere Runde und wir verbrachten einen amüsanten Weihnachtsabend im Hotel.
Spannend war dann noch die mexikanische Tradition welche wir von oben herab im Nachbarshinterhof beobachten durften. Gegen Mitternacht schlagen die Kinder auf einen grossen, aufgehängten "Ballon mit Spitzen" ein, bis dieser aufbricht und Süssigkeiten herausfallen. Die Kinder nebenzu waren noch am rumtollen, als wir uns schlafen legten. Am nächsten Tag gabs morgens eine "Liveschaltung" in den Familienbrunch der Familie Marty. Super wenn man trotz grosser Distanzen ein wenig bei den Liebsten sein darf.
Am Nachmittag brachte uns die Metro, welche eine Station direkt vor unserer Türe hatte, in die Innenstadt. Die Plätze, Parks, Strassen und Gassen wimmelten nur so von fröhlichen Gesichtern. Uns gefiel diese Stadt immer besser. Das Beste kam aber als wir den grossen Hauptzocalo betraten, wo diverse Winteraktivitäten bereitgestellt wurden. Von einer grossen Schneerampe konnte man in Pneureifen heruntergleiten, auf einem Eisfeld mit Schlittschuhen Piruetten drehen, Kinder durften Schneemänner aus Förmchen machen und es gab sogar eine Rundpiste wo man als Passagier eine Runde auf einem Schneetöff mitfahren konnte. Es herrschte ein Treiben wie auf einem Weihnachtsmarkt, nur dass die Stände statt Schümlipflümli oder Holdrio Glace verkauften. Auch wenn wir das Ganze bei 30 Grad als energetischen Schwachsinn betrachten, war es doch spannend den Einheimischen dabei zuzusehen. Viele von ihnen werden wohl kaum je richtigen Schnee sehen.

Die Nacht verbrachten wir mal wieder in einem Bus, welcher uns nach Guadalajara führte. Es ist die zweitgrösste Stadt in Mexico und vorallem ein Industriestandort. Andere Reisende hatten uns ein nettes Hotel empfohlen. Als uns das Taxi um 7 Uhr morgens dort auslud, war jedoch noch niemand am arbeiten. Nach einigem Klopfen öffnete uns ein Gast, eine ältere New Yorkerin. Sie machte uns Kaffee und zusammen setzten wir uns auf die schöne Terrasse, genossen die wärmenden Sonnenstrahlen und warteten aufs Personal. Gegen neun Uhr konnten wir dann doch mal einchecken. Mittlerweile ein wenig reisefaul und auch traurig, dass wir Lateinamerika nach 5 Monaten nun in Kürze verlassen werden, verbrachten wir den Tag mit im Hotel mit Mails beantworten, Blog und Postkarten schreiben und Onlinezeitungen lesen.
Wir brachten unsere farbigen Supermarkt-Kartonboxen also zur Post, wo uns die Angestellte freundlich mitteilte, dass wir unsere Pakete mit Packpapier verkleiden müssten, sonst könne sie sie nicht annehmen. Es gäbe aber auf der Strasse eine Papeterie die solches verkaufe. Das bekam ein Einheimischer mit, der auch gerade eine Lieferung aufgegeben hatte und er gab uns einige Bogen Packpapier und Klebeband. Wiedermal überraschte uns die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung positiv. So kamen wir unverhofft sogar noch zum "Gschänkli ipacke". Nachdem wir die Zolldeklaration ausgefüllt hatten und unsere 6, bzw. 7 Kg-Pakete alle Anforderungen erfüllten, durfte ich noch einige Blocks zum nächsten Bankomaten laufen, da die Möglichkeit der Plastikgeldbezahlung nicht bestand und wir unsere Pesos aufgebraucht hatten. Danach schlenderten wir noch ein wenig durchs Zentrum, konnten uns aber nicht mehr wirklich motivieren noch eine Kirche oder eine Sehenswürdigkeit anzuschauen und so gingen wir noch was essen und bald schon wieder zurück ins Hotel.
Am Morgen vom 28.12 brachte uns ein Taxi zum Flughafen und beim Gepäck ausladen drückte der Fahrer der verblüften Judith noch ein kleines Süssigkeitensäckli in die Hand. Einfach so.
Beim warten auf den Flug nach LA wurden wir dann doch ziemlich melancholisch. Irgendwie wollten wir nicht so wirklich gehen. Zu gut hatte uns die Zeit in den spanischsprechenden Ländern gefallen. So viele gute Erlebnisse und nette Bekanntschaften durften wir machen, so viele interessante Orte haben wir gesehen, so viele Abenteuer erlebt. Aber wir freuten uns auch auf das Kommende. Schliesslich gehts über Silvester nach Hawaii! :-)

















































